Global gespiegelt

 

Gesunken ist die Rettungskurve,

die gern so wäre wie ein Boot.

Das immer weiterfahren kann,

nie finge es zu sinken an.

Es hielt die Flüchtigen getrost

in unsrer Mutter Erde Schoß.

 

Vielleicht legt es irgendwann

dort an,

wo Länder Universitäten aufmuntern Lehrer auszubilden,

die nicht anhand eines fertigen Maßstabs bewerten,

sondern Individuen lehren, dass sie als Individuum richtig sind.

Wo individuelle Bürger ihre Kinder gerne zur Schule schicken,

weil sie wissen, dass individuelle Lehrer ihren Kindern lehren,

dass sie als junge Individuen richtig sind,

auch, wenn die Eltern das selbst nicht immer vermitteln konnten.

Dort wo Menschen durch individuelle Selbstakzeptanz auch ihre Mitmenschen

zu akzeptieren wissen, selbst wenn sie von jenen selbst nicht akzeptiert werden.

Wo Mitgefühl einen gebrochenen Menschen in Menschlichkeit auffängt,

damit jener auch irgendwann auffangen kann.

Wo nachzulesen ist, dass Angst ungespiegelte Liebe ist.

Wo versucht wird, Angst wiederum zu spiegeln,

damit der Angsterfüllte seine Angst als Liebe erkennt

und das Land zu einem Land wird,

wo

ein Boot anlegen kann und nicht sinken muss.

Zu einem Land wird,

das eine Pädagogik vermittelt,

die internationale Anerkennung finden

und global gespiegelt werden will.

Die sooft gespiegelt wird,

dass weniger Boote in See stechen müssen,

um ein Land zu finden, dass sie nicht sinken lässt.

 

An diesem Tage möchte ich gerne aufwachen,

denn dann kann ich leicht meine Augen aufmachen.

Und kann das sehen, was ist, so sehen, wie es ist –

ohne mir zu denken, wie es denn wäre.

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Einsamer Gedankenpalast

Hier ist alles

kristallklar und gerade

deshalb messerscharf und eiseskalt.

Ich sehe wahrhaftige Spiegelungen,

gegenseitig reflektierende Wahrheiten,

die sich durch Spiegelbilder gegenseitig verändern.

Auch Zahlen würden hier oben greifen, beschreibend und

selbst zählend,

Unendlichkeiten in Größe und Form.

Ich schneide mich

an den Gedanken, sie trennen alles,

bleibe mit der Zunge hängen, als ich versuche

ein Gefühl in ihnen zu schmecken. In sie hinein zu schmecken?

Heilsam fällt mir eine Schneeflocke auf die Wunde,

sie schmeckt nach mir selbst,

wie immer.

 

Wenn ich dir das doch alles zeigen könnte, wenn.

Stattdessen male ich die kristallklare Transparenz bunt aus und gehe manchmal ganz glücklich verloren…

 

Ich träume, sagt ihr.

Ich träume nicht, sage ich, ich denke und versuche dies warm zu tun,

warm aus kalten Wänden einen bunten Palast bauend.

Wenn ich dir das doch alles zeigen könnte,

 

es liegt mir auf der wunden Zunge,

kannst du die Schneeflocke sehen?

Halt mich fest, Schneemann, in deinen starken Armen,

dass ich da oben nicht auf den Spiegelflächen ausrutsche.

Lach mit mir darüber, Schneemann, damit ich es nicht mehr auszusprechen brauche,

damit nicht mehr zählt, wie ich zähle,

damit die Zahl nicht zählt, damit nicht mehr zählt,

welche Zahlen greifen würden, nicht mehr

zählt, ob es jemand versteht.

Geister

Würde ich nicht blau sehen,

wüsste ich, dass ich blau sehe.

Heute sehe ich indigo, meinen Geist,

und wünsche mir, dass du ihn in deinem Sonnengelb als

meinen Geist in deinem Geist erkennen kannst.

Denn wenn

wir beide erkennen,

dass alle Menschen unseren Geistes

sind, in tausenden bunten Farben,

wäre dies der Anfang.

 

Wir würden endlich nicht mehr alle entgeistert vor unseren Geistern

davonrennen, unseren eigenen und gegenseitigen,

angestoßen

abgestoßen, mal in Angst und

mal in Liebe,

 

dann wäre die Zeit unser Freund

und die Mythologie sowie die Wissenschaft unsere

zartschmelzende Praline.

Quant

Mein Name

ist freies Molekül,

klein kreisend in

zerbrechenden Zirkeln,

ehrlich unperfekt präsent.

Energie krümmt meine

Raumzeit zu einem Lächeln.

Willst du mein Quant sein, frei wie die Logik,

die ihren Boden nur in deinem Kopf findet?

Kannst du mir sagen, warum du lächelst?

Deine Augen wissen es gewisser als du selbst.

Ich hab keine Wurzeln, nur in

Gedanken von meinen Genen vorgegaukelt,

hab keinen Schimmer von Konvention, nur Durst nach Wahrheit.

Denn sie hat keine Zahlen und keine Zeichen, nur ihren univok schwirrenden Schwebesinn, immer endend im Chaos,

das besser ist als gleichmäßig unzutreffende Formeln für individuelle Formen.

Und meine Füße, sie berühren den Boden nicht.

Kleine Weltzelle

Dass man immer gibt,

selbst, wenn man es nicht bemerkt, nicht geben oder bemerken will,

selbst, wenn du Angst hast zu viel zu geben,

selbst dann gibst, kleine Weltzelle, mit dir selbst deine Angst, zu viel zu geben, gibst.

Das hat mich heute so zum Lachen gebracht, dass ich mit dem Himmel über die dicken traurigen Wolken lachte und mit der Erde über den Staub,

den Staub in deinen trüben Augen,

unwissend klein und unbeholfen blind.

Ich kann dich nicht sehen lassen, denn wie würdest du mir glauben können, wenn du es gar nicht willst. Ob du es wollen kannst? Wohl nur wohlwollend.

Kleine Weltzelle, deine Membran ist voller Inhibitoren und die

Wahrheit ist in ihrer Einfachheit einfach so groß.

So hat das Leben ein Experiment um mich gelegt,

so blüht es in mir auf, brennend schmerzend liebend sehend,

so liebe ich meine Angst und erkenne,

dass die Angst im gleichen Atemzug, wandelnd, die Liebe selbst ist.

Alles ist so klein stumm singend,

mein Ich irgendjemand Tanzendes, bedeutend nur für euch,

in der versengenden schaffenden Welt,

die in vier künstlichen Buchstaben natürlich keinen Platz findet.

So habe ich heute den Teufel angegrinst, aufrichtig liebevoll,

da musste er über sich selbst lachen

und wie wir ihn gemeinsam so hemmungslos auslachten,

so ist auch seine Angst verschwunden.

Träumerin der Bäume

Da Bäume nicht schlafen, nur wachen, nur wandeln, nur wachsen, loslassen und

wieder weiterwachsen,

trennen und blühen,

hörend miteinander sprechen,

mit innerlich-wissendem Auge sehend verletzt werden und

ihre Zerstörer trotzdem zu lieben verstehen,

um daran zu wachsen –

vielleicht sehen sie keine Bilder, sondern realen Atem,

vielleicht sehen sie was das Gesehene spricht, ihnen zuspricht.

Vielleicht sehen sie den Atem der Realität, sei er

immer schaffend und ringend,

wachsend und wandelnd,

in der Summe gleichsam im Ein und Aus,

Maß der ewigen Gegenseitigkeit –

der gegenteiligen Einheit.

 

Vielleicht schenken sie uns ein bisschen Realität, wenn sie uns

Luft zum Atmen zu-atmen,

damit wir träumen können, wenn wir schlafen, ganz so, als wären wir in

der einteiligen Gegenseitigkeit auch

wachend und wandelnd und wachsend, wie sie.

 

Wenn sie mir Luft zum Atmen schenken, kann ich träumen, wenn ich wach bin,

in gegenteiliger Einseitigkeit,

von den Bäumen und einem innerlich-schauenden Auge,

mit dem sie sehen, wer

ich, Träumerin, bin,

zusprechend in die

ewige Gegenseitigkeit,

in die Einheit.

Schmetterling im Wirbelsturm

Auf die Zeit zu blicken, wenn ich doch weiß, dass es eine Raffung gibt,

in der Vergangenheit und Zukunft in einem Hohlraum aufeinanderliegen,

ineinander verschlungen, ist nicht in meinem Sinn.

Hohl wie tausend Wörter, die ballasthaft um mein Leben schwimmen,

sich überlagernd aufeinandertreffen,

niemals zutreffen

und doch mein einziger Halt sind, um zu beschreiben, wie mein

Hirn sich spreizt, aufsprengt zum Licht und

Sonne atmet,

als befreiter nackter Geist.

 

Es sind doch nur die schwarz-weißen Zeichen, die mich Ruhe finden lassen im

Momentum explodierender Rastlosigkeit.

 

Ich bin der Schmetterling im Wirbelsturm,

der Wind meiner Flügel ist um mich, in mir,

selbst verursachend werde ich hin- und hergeworfen,

wieso ich schreien will und singe,

wieso ich lachen will und weine,

wieso ich weinen soll und lache,

wieso ich versuche etwas zu halten

und doch alles, was bleibt, Bewegung ist.

 

Hüllenlos treffe ich in der Unendlichkeit auf die befriedigende Endlichkeit

meiner unbefriedigenden Worte.

Ein Ölfilm unter meinen nackten Zehen, tausender Farben, und doch ein abzuwertender Dreck an euren Schuhen. Habt ihr euch auf den Dreck fokussiert, um Halt zu finden?

Habt ihr ihn gefunden?

Habt ihr euch von den Farben weg fokussiert, um Angst zu kriegen? Habt ihr sie gefunden?

 

Wieso ich verrückt bin?

Ich bin die Verschiebung in sich und in dir, kleiner Mensch mit ganzem Geist,

dein Spiegel, dein Du verkehrt herum und stets bewegt.

Den Fokus zu setzen in der Unendlichkeit, um dann Endlichkeit zu finden,

habe ich bewusst vergessen, denn in abgebildeten Erinnerungshüllen will ich nicht leben.

Und die eine Frage stellt sich mir – wieso wir Grenzen brauchen, wenn doch alles Eins ist?