Der Pfau in Spitzbergen

​Eines Nachts träumte ich von einem Pfau

Er wollte nicht groß sein, wie die anderen Pfauen – aber es war ein Pfau, der davon träumte Schwedisch zu lernen.
Und als er nach Spitzbergen wanderte, verliebte er sich in die Sonne.
Er war den anderen Vögeln immer eine Nasenspitze voraus, doch er konnte nicht verstehen, dass sie über einen Witz lachen mussten. Freute er sich, so weinte er dunkelgrüne Tränen und wenn er traurig war, lachte er laut, sodass es in den Gipfeln der Wälder wiederhallte. Es war seine Philosophie für die Lebenden zu sterben und für die Gestorbenen zu leben.
Als ich aufwachte, lief ich rückwärts durch die Zeit und musste feststellen, dass meine Zukunft schon lange vorbei war. Ich war verstört, auserwählt zu sein, anders zu sein. Meine Synapsen arbeiteten in hoher Geschwindigkeit, sie versuchten weinend mich auf dem Boden zu halten, mein Körper  sprang jedoch immer auf den rückwärtsfahrenden Zug. Obwohl morgen heute war, versuchte ich den Mut zu behalten und bei mir zu bleiben. Mit erhobenem Kinn forschte ich nach der Ursache meiner Wirklichkeit. Eines Tages kam ich mit dem Mast eines Segelschiffs ins Gespräch, dass sich bemühte am leisesten am schnellsten in der Zeit fortzuschreiten. Er betonte immer wieder, viele Menschen zurücklassen zu müssen um sie zu überholen. Für ihn war morgen übermorgen und der nächste Monat war der ganze Herbst in einem Schwung. Eines anderen Wintertages unterhielt ich mich mit meinem Herzen. Es war über den Mast des Segelschiffs sehr bestürzt und wunderte sich liebevoll über seine Einstellung zur Zeit.
Mein Leben verlagerte sich immer mehr in Träume und Sehnsüchte. Oben in der Vogelperspektive bemühte ich mich wieder auf den Boden zu gelangen. Ein Augenblick schien mir so weit entfernt zu sein, zu weit. Ich war der Pfau mit abgeknickten Beinen, mit Luft in den Adern und einer Kanonenkugel im Hals, die mich zwang, rückwärts zu fliegen. Je mehr ich versuchte das vor mir Liegende zu erreichen, desto mehr wurde ich zurückgezogen, in die Vergangenheit der leidenden Menschen und ich erlebte ihre Geburt. Ich begann in Reimen zu sprechen und zu schlafen, sie wiederholten sich ständig und ergaben trotzdem eine bemerkenswerte Chronologie. Indem alles auf Anfang sprang, hörte es nicht auf zu existieren.  Mein Sprechgesang fügte sich in den Wind, traf aufeinander und verstärkte seinen Klang. Immer stärker schrie ich in die Natur hinein und sie schrie mit mir. Die Frage nach dem Warum wurde durch ein verzweifeltes Ringen nach dem Wie abgelöst, einem Lachen und Weinen, einer betörenden Stille. Die Uhr hörte auf zu ticken, die Luft begann zu Surren und mein Atem verharrte im Pi zwischen Ein und Aus. Gelegentlich wehte eine Aussage oder eine Weggabelung an mir vorbei und fügte sich in meinen Zyklus, der mit Wasser und Erde verschmolzen war. In unkontrollierter Bewegung begann ich mein Selbst zu verlieren, das Bewusstsein über die tausend Fragen, die in meinem Leben unbeantwortet geblieben waren. Die Bewegungen entstanden aus der Erde, in der ich mich befand und sie lösten mich von aller Pflicht. Ich fühlte mich in einen Genuss versetzt, der immer mehr Hunger bewirkte, Hunger nach Leben und Tod. Aufgesplissen in so viele Fasern reckte sich meine Seele hin zum Licht. Es schien in mich hinein und vielfach aus mir hinaus. Und ich lächelte mit dem Gesamt meines Wesens, das in Allem bestand, lächelte mit dem Licht und lächelte für die Kinder dieser Erde.

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